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Warmer Leberkäs für Mondsüchtige
Was sich nach zwei Tagen Betrieb der neuen Luna-Kulturbar sagen lässt
Vom Redaktionsmitglied der Waiblinger Kreisszeitung Jörg Nolle
Wenn schon nicht die Sonne aufgeht über Waiblingen, so doch der Mond. Die neu installierte Luna-Kulturbar im Schwanen lud zur In-Augenscheinnahme gleich zweimal. Erst für speziell geladene Mr. Wichtigs und dann, tags drauf, zum Abrocken für Normalos. Beide Premieren fielen nach dem Geschmack des Hauptbetreibers Arnim Dubois aus.
Nicht wenige Mitglieder des Waiblinger Gemeinderats wollten sehen, was sie da mit ihrem Votum in Gang gesetzt hatten. Schließlich ist die Übernahme der Luna-Bar im Schwanen nur die erste Stufe der Mondrakete. Viel wichtiger wird sein, wie der Biergartenbetrieb dann im Sommer flutscht. Dazu lassen die Betreiber einem schon mal das Wasser im Munde zusammenlaufen. Schlangen vor dem Ausgabeschalter sollen der Vergangenheit angehören, versprechen sie. Und vielleicht, vielleicht, klappt es mit dem angedachten Ruderbootverleih. Ein Stündchen schippern an den Gestaden der Rems, womöglich im trüben Wasser fischen so viel wunderbar verantwortungsloses In-den-Tag-Hineinträumen war nie in der Rems-Kapitale der Schaffer und Scheffler.
Was die Fidel Gastro GmbH mit der Schwanen-Beiz angerichtet hat, deutet auf Geschmackssicherheit hin. Die Sputnik-Bar, das Werk des genialischen Baumeisters Cornelius Fück, war sakrosankt, wie es Dubois in aller Ehrfurcht ausdrückt. Also konnte nur zugearbeitet werden, und dies geschah auf witzige Art. Seegurken-artige Himmelsgestirne umwölken nun den Schwellkörper Bar. Dazu Raumteiler mit viel Durch- und Ausblicken. Zwei Podeste wurden gegenüber des Künstler-Podiums eingebaut, damit sich das Publikum nach eigener sozialer Rangordnung staffeln kann. Wenn es richtig hot zugeht, wie am zweiten Tag mit Rock Connexion, erhebt sich eh das Volk, hottet auf der Fläche davor ab und reiht sich genießerisch an der Bar auf. Rock Connexion oder, wie angekündigt, die Mega-Knaller der Rockgesichte funktionierte und zog ein erstaunlich gemischtes Publikum an. Vom Mitt-Fuffziger, der seinen Sohnemann mitbringt bis zu Mädels, die dem Grad an Enthusiasmus nach zu urteilen auch als Groupies für die Connexion-Frontschweine durchgehen. Und sie gaben ja alles, die Jungs vom oberen Remstal. Gez Zirkelbachs wichtigstes Requisit war das Handtuch für die tropfende Stirn. Und Marc Pfundt ist sowieso eine große Entdeckung der letzten Jahre. Wie er seinen Billy Idol hinbekommt mit seiner Shouter-Röhre klasse!
Pfundt kommt aus Rudersberg. Und vielleicht wird die Geschichte des Schwanen einmal geschrieben als ein Akt der Erstürmung einer Stadtbastion. Alles Gute kommt von oben. Vom Mond und vom oberen Remstal. Es fing an mit Cornelius Wandersleb, ein Import aus der Manufaktur. Die Fidel Gastro GmbH hat ihr Basislager in Urbach, im Täle. Zur Eröffnung eilte auch der Landrat herbei. Ein Urbacher hält seinen Jungs nun mal die Stange. Das Comedy-Programm wird im Wesentlichen gestaltet von Hans Braun, Impressario der ambitionierten Urbacher Kabarettreihe.
Große Städte, wir wissen es, sind Horte der Fäulnis und Verderbnis, der Dekadenz. Jetzt, mit dem Einzug der Oberen Remstäler, weht ein frischer Wind in der Rems-Kapitale. Und es wird herzhaft, rural, frugal. Auf der Speisekarte für den kleinen Hunger findet sich gleich zweimal ein Warmer Metzger-Leberkäs. Mit Brot sowie mit Brot und Käse.
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